Ein kleiner "Rundgang" durch die Kirche St. Maria zur Höhe
|
Allgemeines:Hier sehen sie den Grundriss der ersten HALLENKIRCHEN Westfalens, die im Übergangsstil von der Romanik zur Gotik in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. In dem Baukörper aus heimischem Glaukonit sind Teile einer noch 20 Jahre älteren Kirche enthalten, die noch während der Bauzeit umgeplant wurde. Der Kirchenraum ist breiter als lang (22 : 16 m). Er weist viele Unregelmäßigkeiten auf (z. B. Sockelhöhe, Fensterform, Turmwand). Das Gotteshaus entstand als Pfarrkirche der "Osthofe", nachdem 1180 die stürmische Entwicklung der Stadt es erforderlich gemacht hatte, deren Urpfarre in sechs Sprengel zu unterteilen. Damals war Soest größter Marktort Westfalens und Nebenresidenz des Erzbischofs von Köln geworden. Mit hiesigen Kaufleuten an führender Position stand die HANSE im Begriff, den Ostseeraum zu erschließen. Parallel dazu drangen die byzantinische Kultur und arabische Einflüsse nach Westfalen vor (Heirat Ottos II. mit Theophanu, Kreuzzüge, Staufenkaiser). |
Von besonderem kunstgeschichtlichen Wert ist die ungewöhnlich vollständig erhaltene romanische WAND - und DECKENMALEREI, die 1869 wiederentdeckt und mit äußerster Sorgfalt restauriert wurde. An der Decke des Kirchenschiffs entstand um 1220 die Darstellung des Paradieses in Tiersymbolen nach byzantinischen Vorbildern (keines doppelt vorhanden). |
|
![]() |
Unter dem Turm befindet sich die Taufkapelle. Sie entstammt noch dem Vorgängerbau. Der in der zweiten Bauphase errichtete Wandpfeiler über ihrem Zugang hätte sie verschlossen, wenn man ihn nicht durch drei Säulen nach unten abgefangen hätte. Deren schmale Zwischenräume scheinen darauf hinzudeuten, dass der romanische Taufstein (geschaffen vor 1220) schon vor Vollendung der Kirche an seinem Platz gestanden hat (Folgerung neuerdings umstritten). Seine Halbreliefs zeigen Maria, Johannes mit Lamm und sechs Apostel. |
Die Grabesnische befindet sich an der Nordwand, gegenüber dem Hauptportal. Sie ist eine Kopie der Heiligen Grabes in Jerusalem für liturgische Grablegungen. Die Ausmalung aus der Zeit um 1240 enthält Szenen aus den Biblischen Ereignissen zwischen Christi Tod und Himmelfahrt. |
![]() |
![]() |
Im Nordosten befindet sich der Katharinenchor. Die um 1260 entstandenen Darstellungen sind besonders klare Beispiele des ZACKENSTILS der Spätromanik (zackiger Saum der Gewänder). Die Wandszenen zeigen den Leidenszyklus der Märtyrerin Katharina von Alexandria (um 310): Links oben: Katharina verweigert die Götzenanbetung. Rechts oben: Katharina standhaft gegenüber heidnischen Gelehrten; diese büßen Versagen im Feuer. Links unten: "Radwunder", Katharina's Folterrad zerspringt. Rechts unten: Katharinas Enthauptung. Ein Engel erwartet ihre Seele. An der Decke: Relief der Marienkrönung: links Katharina mit Buch, rechts Maria Magdalena. |
| Der Hauptchor: Glanzstück der Wandmalereien der Kirche, entstanden um 1240. Im Zentrum der Chorkuppel Maria un der Christusknabe mit Johannes dem Täufer und dem Apostel Johannes, umgeben von 16 Engeln in schweren byzantinischen Geändern (berühmt als Engelreigen). Motivparallelen weisen nach Palermo/Sizilien. Unterhalb des Schmuckfrieses mit Prophetenmedaillons folgen an der Stirnseite des Chores links: Daniel in der Löwengrube, darunter zwölfjähriger Jesus im Tempel. Rechts: Moses schlägt Wasser aus dem Felsen, darunter Taufe Christi im Jordan. In den Zwickeln alttestamentarische Szenen, die in typologischem Sinnzusammenhang zu Jesu Wirken stehen. Von links vorn nach rechts vorn: Abraham bewirtet die 3 Engel, Isaaks Opferung; Moses und die Erhöhung der ehernen Schlange; Elias begegnet der Witwe von Sarepta (Vorbild für Kreuztragung Christi) |
![]() |
![]() |
Das Altarbild entstand um 1470; vorzüglichstes der in Soest verbliebenen sakralen Tafelbilder, ein Werk des "Meisters von Liesborn"(als Johann von Soest identifiziert?). Es zeigt eine niederländisch beeinflusste Darstellung von Christi Kreuzweg, Tod und Auferstehung, das zur tätigen Nächstenliebe aufruft. |
Aus Bamberger Sandstein gefertigt sind die gotischen Sakramentshäuschen, um 1450. |
|
![]() |
Das "Scheibenkreuz" (Kreuztafel) ist eine in Europa einzigartige romanische Kostbarkeit, deren Korpus
verloren ist, entstand um 1230. Sie ist aus skandinavischem Fichtenholz in Lüstertechnik gearbeitet
(polierte Silberfolie unter transparenten farbigen Lacken). Kleinere Parallelen finden sich auf Gotland.
Die Tafel könnte ursprünglich als Altaraufsatz gedient haben. - Die große Scheibe versinnbildlicht
den Kosmos. Dieser umschließt das Kreuz, dass gemäß byzantinischer Theologie nicht nur den Tod
symbolisiert, sondern Christi Erlösertod erhöht es zum Stamm des Baumes, der das wahre Leben schenkt,
zum Lebensbaum. Daher gehen vom Kreuzesbalken Äste und reiches Blattwerk aus. |
Seit 1967 steht hinter dem Prospekt von 1679 (Inschrift) die Orgel von P. Ott, Göttingen. |
![]() |
|
![]() Den Entwurf für die Fenster erarbeitete Prof. Jochem Poensgen, Soest/Düsseldorf 1995 |
Tympanon (Hauptportal): In den Hauptszenen Geburt, Kreuzigung und Auferstehung. Geburt: (Engel an Marias Bett; darüber Ochs und Esel; Joseph mit Judenhut; links oben Gottvater); Kreuzigung: (Über dem Kreuz trauernde Gestirne; Mond Symbol für Altes Testament, Synagoge -- Tod; Sonne für Neues Testament, Ekklesia -- Leben. Auferstehung: Frauen am leeren Grabe. Die Vierpassumschrift um die Mittelszene mit stürzenden Engeln fügt Sieg, Gericht und Herrlichkeit Christi hinzu. |
![]() |